Kiesabbau im Würmtal

eingestellt von Herbert Stepp am 10.6.2019

Die Kiesgruben fressen sich immer weiter Richtung Forsthaus Kasten durch den Bannwald, zeigt der Regionalplan (in den dort festgelegten sog. Vorrangflächen Kies/Sand).

          42 ha (ca. 59 Fußballfelder) sind im Forst Kasten jetzt vorgesehen. Doch damit nicht genug!

          Mitten zwischen Wohngebiet Gräfelfing (Glück-Siedlung) und Gewerbegebiet Martinsried mit Abständen deutlich unter 100 m wird bereits nördlich des Martinsrieder Wegs ausgekiest (5,8 ha),

          die Genehmigung für weitere 2,8 ha neben der Kompostieranlage konnte nicht verweigert werden und

          jetzt hat die Firma Glück ein Raumordnungsverfahren (ROV) beantragt, um den bisher unberührten Wald (Bannwald, Regionaler Grünzug und Landschaftsschutzgebiet!) zwischen Planegg-West und Autobahn 96 zur Kiesgrube umzuwandeln. (Lageplan unten). Hier geht es um 24 ha – und das ist vermutlich erst der Anfang.

 

'Aber Kies brauchen wir doch, wegen der Wohnungsnot!', sagen Politiker, Bau-Lobbyisten und Immobilienvermarkter. Solange da kein Haus- oder Sondermüll wie früher eingefüllt wird und nachher ein Wald mit angeblich besserer Qualität aufgeforstet wird und enge Verfüllfristen gelten, was soll man dagegen haben? Richtig, Kies wird gebraucht, die Frage ist nur, wieviel und woher.

 

Die Würmtaler Initiativen gegen Kiesabbau (BIS, BIK, BIN, BIKG) mussten hart erkämpfen, dass die Gruben nicht als Nachfolgedeponie für Großlappen genutzt werden (in den 1990ern), die Asbestablagerungen verboten werden (bis in die 2000er Jahre), und Industrialisierung auf den Flächen eingeschränkt wird (Bauschuttaufbereitung).

 

Die jetzige Grube im Forst Kasten hätte schon 2002 verfüllt sein müssen. Diese Auflage wurde immer wieder verlängert und schließlich ganz aufgehoben. Das liegt u.a. an rückläufiger Menge verfügbaren Verfüllmaterials und strikteren Auflagen, was verfüllt werden darf. Immer mehr Abbruchmaterial wird recycelt etc.. Aber was sind solche Auflagen dann wert?

 

Wir befinden uns in einem als Naherholungsgebiet intensiv frequentierten Wald, der zudem als Bannwald, Regionaler Grünzug und Landschaftsschutzgebiet gleich dreifachen regionalplanerischen Schutzstatus genießt. Wenn der Kiesabbau hier nicht schon lange „Tradition“ hätte, käme heute wohl niemand auf die Idee, ausgerechnet hier den Wald abzuholzen, um Kies auszubeuten.

 

Dies ist auch im Regionalplan klipp und klar so geregelt: In Kap IV der Begründung heißt es, dass in unserer Region kein Kiesabbau möglich ist, weil (Seite 33): „…auf den abbauwürdigen Lagerstätten südlich der Linie Landsberg am Lech – München – Dorfen andere, meist forstliche, wasserwirtschaftliche oder landschaftliche Belange bereits großflächig geschützt oder vorrangig sind.“

 

Weil der Kies aber in guter Qualität im Boden liegt, könnte er vielleicht doch auch hier abgebaut werden, heißt es dort weiter, ABER das „…setzt jedoch voraus, dass Abbau- und Rekultivierungsmethoden erprobt und anerkannt werden, die es ermöglichen, den Rohstoffabbau mit den hier berührten Schutzzwecken zu vereinbaren.“

 

Haben wir das? Eindeutig: NEIN.

 

Die wenigen bestehenden Auflagen sind weitgehend wertlos (siehe Aufhebung der Verfüllfrist) und sowieso nicht ausreichend, um der Forderung des Regionalplans zum Schutz forstlicher und landschaftlicher Belange gerecht werden zu können.

 

So macht man dreimal gutes Geld: mit Abholzen, Auskiesen und Bauschutt einfüllen.  Da bleibt durchaus genug übrig, um ein paar Baumsetzlinge einzupflanzen und einen Weiher anzulegen. Aber mit dauerhafter Bekämpfung von Neophyten wie dem giftigen Riesenbärenklau sieht es schon wieder schlechter aus, das überlässt man dem Grundeigentümer – der jetzt erst, nach massiver Ausbreitung der Herkulesstauden, effektive Maßnahmen einzusetzen verspricht. Der Kiesabbau würde sich ganz schnell nicht mehr rechnen, wenn die Wiederaufforstung viel aufwändiger wäre als auf freiem Feld.

 

Immerhin setzt die Firma Glück zum Abtransport des Kieses ein Förderband ein und keine LKWs. Allerdings wird dies wohl für den Kiesabbau auf den neu geplanten Abbauflächen im Würmtal nicht mehr zum Einsatz kommen.

 

Womit massiver LKW-Verkehr droht:

 

Nach dem Antrag von Glück zum ROV Planegger Holz (Dickwiese):

82 LKW pro Tag

Laut Berechnung BUND Naturschutz:

352 LKW pro Tag

auf der Germeringer Straße, alle 1 Minute 42 Sekunden ein LKW bei einem 10-Stunden Betrieb !

 

Und Gleiches droht in Neuried, weil der Grundbesitzer (die Heilig-Geist-Spital-Stiftung der Stadt München) nicht die Fa. Glück zum Zuge kommen lassen will, um die Vorrangflächen im Forst Kasten weiter auszubeuten. Dann müssten Kiesabtransport und Verfüllmaterialantransport jeweils mit LKWs erfolgen. Hier steht noch ein Rechtsstreit von Glück um die Ausbeutungsrechte wegen der von der Stadt München veranlassten europaweiten Ausschreibung des Abbaus an.

 

Und der Naturschutz? Schon zur letzten Regionalplan-Fortschreibung hat das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten AELF als Träger öffentlicher Belange eine klare negative Stellungnahme abgegeben.

 

Ebenso die betroffenen Gemeinden. Es konnte aber nur erreicht werden, dass die Fläche der Neuausweisung des Vorranggebiets um ca. 23 ha auf eben jetzt 42 ha reduziert wurde. Was aber auch nur bedeutet, dass bei der nächsten Fortschreibung wieder nachgelegt werden kann!

 

WIR MEINEN: Jetzt ist

SCHLUSS MIT KIESABBAU IM WÜRMTAL !

 

WIR MEINEN: Alle reden von Umwelt –und Klimaschutz. Auch unser Ministerpräsident Söder hat sich das auf die Fahnen geschrieben. Wenn die CSU-Regierung es ernst meint mit der Natur und dem Umweltschutz, dann darf heute und künftig kein geschützter Wald mehr für Kiesgewinnung unnötig abgeholzt werden.

 

Weitere Gründe sprechen gegen einen Kiesabbau auf der Dickwiese/Planegger Holz:

  • Auf der anderen Straßenseite erhielt kürzlich der Maria-Eich-Wald mit seinen Methusalem-Eichen, die von seltenen Eremiten-Käfern besiedelt werden, eine UN-Auszeichnung.
  • Mangels geeigneten Verfüllmaterials könnte es wieder zu einer Verletzung bzw. Verlängerung von Verfüllfristen kommen.
  • Das Landratsamt hat Auflagen zu Verfüllfrist bisher immer im Sinne des Abbauunternehmens verlängert.
  • Wegen stark verbesserter Bauschuttaufbereitung nimmt der Frischkies-Anteil kontinuierlich ab.
  • Immer mehr Kies wird nur wegen verstärkter Bautätigkeit gebraucht. Wir wollen aber gar keinen Beitrag zu einer immer weiteren Verdichtung von München und der Verstädterung der „Metropolregion“ leisten!

 

Was FÜR einen Kiesabbau sprechen soll hat die Firma Glück in folgendem Leserbrief selbst formuliert (Kommentare von Herbert Stepp):

 

Und hier nun der Lageplan für die beantragte landesplanerische Beurteilung Dickwiese/Planegger Holz: