Kiesabbau im Würmtal

Text eingestellt von Herbert Stepp am 1.12.2025

Der Stand Ende 2025 in Stichworten, ausführlich und immer aktuell auf www.gruenzugnetzwerk.de :

 

1. Douglasienwäldchen (Verlängerung der Straße "Im Grund"):

  • Die Firma Glück scheitert mit einer Klage gegen den Bund Naturschutz auf sofortigen Vollzug der Rodung und Auskiesung auf Basis einer erneuerten Abgrabungsgenehmigung.
  • Das Hauptsacheverfahren steht noch aus.
  • Ursprünglich hatte der Bund Naturschutz in einem Eilverfahren gegen das Landratsamt geklagt, das eine Abgrabungsgenehmigung erteilt hatte. Das Verwaltungsgericht (erste Instanz) hatte die Klage zurückgewiesen, der Bayerische Verwaltungsgerichtshof (zweite Instanz) im Beschwerdeverfahren aber dem Bund Naturschutz recht gegeben und die Rodung und Auskiesung bis zum endgültigen Urteil im Hauptsacheverfahren untersagt.

2. Lochhamer Schlag:

  • Hier liegt ebenfalls ein Abgrabungsantrag der Firma Glück beim Landratsamt, aber das Genehmigungsverfahren ist noch nicht abgeschlossen.
  • Die beantragte Fläche liegt in der Gemeinde Gräfelfing, betroffen sind aber vor allem die Bürger*innen im Münchner Stadtviertel Hadern. 

 

3. Forst Kasten:

  • Der Bereich südlich der jetzt noch offenen Kiesgrube im Wald in Planegg an der Grenze zu Neuried ist immer noch als Vorranggebiet Kies und Sand im Regionalplan verankert.
  • Grundeigner ist die von der Stadt München verwaltete Heiliggeistspital-Stiftung.
  • Die Stiftung hatte die Abgrabung schon ausgeschrieben und vergeben.
  • Das Genehmigungsverfahren kam dann jedoch unter etwas mysteriösen Umständen nicht zustande, weil die Stadt mit dem Ausschreibungsgewinner vereinbarte, das Projekt aufzugeben.
  • Ursächlich dürften die massiven Proteste aus der Bürgerschaft und zT klageberechtigten Vereinen gewesen sein.

 

4. Planegger Holz, Dickwiese (nahe Lindauer Autobahn):

  • Hier hatte die Firma Glück ein Raumordnungsverfahren angestoßen.
  • Das Verfahren ruht.

 

Fazit: Der Bund Naturschutz hat mit Unterstützung vor allem des Grünzug-Netzwerk Würmtal e.V. aber auch breit getragen von der Bevölkerung der umliegenden Gemeinden und Münchner Stadtviertel erreicht, dass die aktuelle Rechtssprechung dem Schutz von Bannwald mehr Stellenwert einräumt als noch 1990. Auch wenn das Hauptsacheverfahren zum Douglasienwäldchen noch aussteht, zentrale Aussagen aus den bisherigen Eilverfahren sind belastbar. Da alle derzeitigen Auskiesungspläne im Bannwald liegen, könnte der Kiesabbau im Würmtal langsam dem Ende zugehen, die meisten Freiflächen sind ja schon ausgekiest - und zum Teil mit Altlasten verfüllt, wie man beim U-Bahnbau leidvoll erfahren durfte.


 

Der Text unten wurde aktualisiert von Herbert Stepp am 21.1.2026

Das Wo? Was? Wie? WANN? WARUM? des Kiesabbaus im Forst Kasten

 

Hier in aller Kürze, ausführlich hier:

www.gruenzugnetzwerk.de 
www.rettet-den-wuermtaler-wald.de    oder
www.wald-neuried-erhalten.de  

 

WO?

Spätestens seit 1991 findet hier Kiesabbau im Wald statt. Kaum sonst wo in Bayern wird das genehmigt. Auch der Regionalplan schließt Kiesabbau südlich von München, wo mehrfach geschützte Waldgebiete liegen, eigentlich aus.

 

Um WAS geht es gerade?

Ein Vorranggebiet für Kiesabbau, das 1991 genehmigt wurde ist bald ausgekiest. 2013 wurde es nach Süden, weiter in den Wald hinein gegen erbitterten Widerstand erweitert. Der Grundeigentümer, die Heiliggeistspital-Stiftung verspricht sich Millionen-Einnahmen aus der Verpachtung und hat eine europaweite Ausschreibung für eine knapp 10 ha große Teilfläche des 42 ha großen neuen Vorranggebiets durchgeführt. Die Stiftung wird von der Stadt verwaltet, der Sozialausschuss des Stadtrats fungiert als Vorstand der Stiftung. Die Ausschreibung erfolgte einstimmig. Der Gewinner ist ein Neurieder Entsorgungsunternehmen. Am 20 Mai 2021 hat nun der Sozialausschuss das Vergabeverfahren mit dem Zuschlag an dieses Unternehmen abgeschlossen. Den Bekundungen der Mitglieder zufolge wollte die Mehrheit dem Kiesabbau nicht mehr zustimmen, weil der mittlerweile ausgerufene Klimanotstand der Stadt München jeden Baum in der Frischluftschneise Münchens sehr wertvoll gemacht hat. Aber der politische Wille sei nicht ausschlaggebend, es ginge nur um den rechtmäßigen Abschluss des Verfahrens und um die wirtschaftlichen Interessen der Stiftung. So das Sozialreferat und die Regierung von Oberbayern. Den Stadträt*innen wurde damit gedroht, für Schadensersatzforderungen in Millionenhöhe mit dem Privatvermögen haften zu müssen. Gegen 2 Stimmen erfolgte der Zuschlag. Noch aber wird nicht abgeholzt, denn es beginnt erst das Genehmigungsverfahren…

 

WIE geht es jetzt weiter?

Das Neurieder Unternehmen hätte, auf eigenes Risiko, einen Antrag auf Auskiesungsgenehmigung stellen müssen. Zuständig ist das Landratsamt. Aber auch ein Bauantrag an die Gemeinden muss gestellt werden. Obwohl das Gebiet als Vorranggebiet ausgewiesen ist, kann durchaus die Genehmigung verweigert werden, zum Beispiel, wenn die Erschließung nicht gesichert ist oder der Eingriff in das Landschaftsschutzgebiet und den Bannwald nicht ausgeglichen werden können.

 

WANN drohen Abholzung und Auskiesung?

Vorläufig gar nicht!! Denn die Stadt München hat beschlossen, die Auskiesungsrechte doch nicht zu vergeben. Im Einvernehmen mit allen Beteiligten, wie es hieß. Ob man keine Chance auf Genehmigung sah oder weitere Bürgerproteste fürchtete bleibt im Unklaren. Noch aber besteht die Ausweisung als Vorranggebiet. Der zuständige Regionale Planungsverband ist einem Antrag auf Löschung bisher nicht gefolgt.

 

WARUM kein Kiesabbau mehr im Forst Kasten?

„Lokaler Kiesabbau ist Klimaschutz“ behauptet zum Beispiel das Gräfelfinger Kiesabbau-Unternehmen Glück. Weil die Laster nicht so weit fahren müssen. Ein Aspekt ist das, klar. Aber in der Münchner Schotterebene etwas relativ. Der Regionalplan legt den Schwerpunkt nördlich von München und auf unbewaldete Flächen. Gerade aus Klimaschutzgründen muss der Kiesverbrauch insgesamt deutlich reduziert werden, denn aus Kies wird mit viel klimawirksamem Zement Beton. Mehr Recyclingbeton, mehr Holzbauweise, insgesamt weniger Neuversiegelung sind geboten. Nochmal zum Forst Kasten: das ist regionaler Grünzug, Landschaftsschutzgebiet, Bannwald, in der Hauptwindrichtung vor München, sehr frequentierter Erholungswald, nach Naturland-Kriterien bewirtschaftet. Noch mehr Argumente? Unter den Links oben…


eingestellt von Herbert Stepp am 10.6.2019

Die Kiesgruben fressen sich immer weiter Richtung Forsthaus Kasten durch den Bannwald, zeigt der Regionalplan (in den dort festgelegten sog. Vorrangflächen Kies/Sand).

          42 ha (ca. 59 Fußballfelder) sind im Forst Kasten jetzt vorgesehen. Doch damit nicht genug!

          Mitten zwischen Wohngebiet Gräfelfing (Glück-Siedlung) und Gewerbegebiet Martinsried mit Abständen deutlich unter 100 m wird bereits nördlich des Martinsrieder Wegs ausgekiest (5,8 ha), mittlerweile schon wieder verfüllt,

          die Genehmigung für weitere 2,8 ha neben der Kompostieranlage konnte nicht verweigert werden und

          2019 hat die Firma Glück ein Raumordnungsverfahren (ROV) beantragt, um den bisher unberührten Wald (Bannwald, Regionaler Grünzug und Landschaftsschutzgebiet!) zwischen Planegg-West und Autobahn 96 zur Kiesgrube umzuwandeln. (Lageplan unten). Hier geht es um zunächst 24 ha.

 

'Aber Kies brauchen wir doch, wegen der Wohnungsnot!', sagen Politiker, Bau-Lobbyisten und Immobilienvermarkter. Solange da kein Haus- oder Sondermüll wie früher eingefüllt wird und nachher ein Wald mit angeblich besserer Qualität aufgeforstet wird und enge Verfüllfristen gelten, was soll man dagegen haben? Richtig, Kies wird gebraucht, die Frage ist nur, wieviel und woher.

 

Die Würmtaler Initiativen gegen Kiesabbau (BIS, BIK, BIN, BIKG) mussten hart erkämpfen, dass die Gruben nicht als Nachfolgedeponie für Großlappen genutzt werden (in den 1990ern), die Asbestablagerungen verboten werden (bis in die 2000er Jahre), und Industrialisierung auf den Flächen eingeschränkt wird (Bauschuttaufbereitung).

 

Die jetzige Grube im Forst Kasten hätte schon 2002 verfüllt sein müssen. Diese Auflage wurde immer wieder verlängert und schließlich ganz aufgehoben. Das liegt u.a. an rückläufiger Menge verfügbaren Verfüllmaterials und strikteren Auflagen, was verfüllt werden darf. Immer mehr Abbruchmaterial wird recycelt etc.. Aber was sind solche Auflagen dann wert?

 

Wir befinden uns in einem als Naherholungsgebiet intensiv frequentierten Wald, der zudem als Bannwald, Regionaler Grünzug und Landschaftsschutzgebiet gleich dreifachen regionalplanerischen Schutzstatus genießt. Wenn der Kiesabbau hier nicht schon lange „Tradition“ hätte, käme heute wohl niemand auf die Idee, ausgerechnet hier den Wald abzuholzen, um Kies auszubeuten.

 

Dies ist auch im Regionalplan klipp und klar so geregelt: In Kap IV der Begründung heißt es, dass in unserer Region kein Kiesabbau möglich ist, weil (Seite 33): „…auf den abbauwürdigen Lagerstätten südlich der Linie Landsberg am Lech – München – Dorfen andere, meist forstliche, wasserwirtschaftliche oder landschaftliche Belange bereits großflächig geschützt oder vorrangig sind.“

 

Weil der Kies aber in guter Qualität im Boden liegt, könnte er vielleicht doch auch hier abgebaut werden, heißt es dort weiter, ABER das „…setzt jedoch voraus, dass Abbau- und Rekultivierungsmethoden erprobt und anerkannt werden, die es ermöglichen, den Rohstoffabbau mit den hier berührten Schutzzwecken zu vereinbaren.“

 

Haben wir das? Eindeutig: NEIN.

 

Die wenigen bestehenden Auflagen sind weitgehend wertlos (siehe Aufhebung der Verfüllfrist) und sowieso nicht ausreichend, um der Forderung des Regionalplans zum Schutz forstlicher und landschaftlicher Belange gerecht werden zu können.

 

So macht man dreimal gutes Geld: mit Abholzen, Auskiesen und Bauschutt einfüllen.  Da bleibt durchaus genug übrig, um ein paar Baumsetzlinge einzupflanzen und einen Weiher anzulegen. Aber mit dauerhafter Bekämpfung von Neophyten wie dem giftigen Riesenbärenklau sieht es schon wieder schlechter aus, das überlässt man dem Grundeigentümer – der jetzt erst, nach massiver Ausbreitung der Herkulesstauden, effektive Maßnahmen einzusetzen verspricht. Der Kiesabbau würde sich ganz schnell nicht mehr rechnen, wenn die Wiederaufforstung viel aufwändiger wäre als auf freiem Feld.

 

Immerhin setzt die Firma Glück zum Abtransport des Kieses ein Förderband ein und keine LKWs. Allerdings wird dies wohl für den Kiesabbau auf den neu geplanten Abbauflächen im Würmtal nicht mehr zum Einsatz kommen.

 

Womit massiver LKW-Verkehr droht:

 

Nach dem Antrag von Glück zum ROV Planegger Holz (Dickwiese):

82 LKW pro Tag

Laut Berechnung BUND Naturschutz:

352 LKW pro Tag

auf der Germeringer Straße, alle 1 Minute 42 Sekunden ein LKW bei einem 10-Stunden Betrieb !

 

Und Gleiches droht in Neuried, weil der Grundbesitzer (die Heilig-Geist-Spital-Stiftung der Stadt München) nicht die Fa. Glück zum Zuge kommen lassen will, um die Vorrangflächen im Forst Kasten weiter auszubeuten. Dann müssten Kiesabtransport und Verfüllmaterialantransport jeweils mit LKWs erfolgen. Hier steht noch ein Rechtsstreit von Glück um die Ausbeutungsrechte wegen der von der Stadt München veranlassten europaweiten Ausschreibung des Abbaus an.

 

Und der Naturschutz? Schon zur letzten Regionalplan-Fortschreibung hat das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten AELF als Träger öffentlicher Belange eine klare negative Stellungnahme abgegeben.

 

Ebenso die betroffenen Gemeinden. Es konnte aber nur erreicht werden, dass die Fläche der Neuausweisung des Vorranggebiets um ca. 23 ha auf eben jetzt 42 ha reduziert wurde. Was aber auch nur bedeutet, dass bei der nächsten Fortschreibung wieder nachgelegt werden kann!

 

WIR MEINEN: Jetzt ist

SCHLUSS MIT KIESABBAU IM WÜRMTAL !

 

WIR MEINEN: Alle reden von Umwelt –und Klimaschutz. Auch unser Ministerpräsident Söder hat sich das auf die Fahnen geschrieben. Wenn die CSU-Regierung es ernst meint mit der Natur und dem Umweltschutz, dann darf heute und künftig kein geschützter Wald mehr für Kiesgewinnung unnötig abgeholzt werden.

 

Weitere Gründe sprechen gegen einen Kiesabbau auf der Dickwiese/Planegger Holz:

  • Auf der anderen Straßenseite erhielt kürzlich der Maria-Eich-Wald mit seinen Methusalem-Eichen, die von seltenen Eremiten-Käfern besiedelt werden, eine UN-Auszeichnung.
  • Mangels geeigneten Verfüllmaterials könnte es wieder zu einer Verletzung bzw. Verlängerung von Verfüllfristen kommen.
  • Das Landratsamt hat Auflagen zu Verfüllfrist bisher immer im Sinne des Abbauunternehmens verlängert.
  • Wegen stark verbesserter Bauschuttaufbereitung nimmt der Frischkies-Anteil kontinuierlich ab.
  • Immer mehr Kies wird nur wegen verstärkter Bautätigkeit gebraucht. Wir wollen aber gar keinen Beitrag zu einer immer weiteren Verdichtung von München und der Verstädterung der „Metropolregion“ leisten!

 

Was FÜR einen Kiesabbau sprechen soll hat die Firma Glück in folgendem Leserbrief selbst formuliert (Kommentare von Herbert Stepp):

 

Und hier nun der Lageplan für die beantragte landesplanerische Beurteilung Dickwiese/Planegger Holz: