Das obige Foto stammt aus 2019. Damals war die Kiesgrube in Gräfelfing am Ortsrand zu Planegg/Martinsried mit 700.000 m³ Volumen noch offen. Mittlerweile ist sie verfüllt. Damit ist deutlich erschwert, wofür wir uns damals eingesetzt haben, nämlich einen großen, saisonalen Wärmespeicher draus zu machen. Ursprünglich hatten wir uns vehement gegen einen Kiesabbau so nah an der Bebauung ausgesprochen (hier Details). Man kann allerdings das Loch, wenn es nun schon mal da ist, vielleicht für ein großes Nachhaltigkeitsprojekt nutzen. Statt einfach mit Bauschutt aufzufüllen (den man ohnehin besser wiederaufbereiten sollte), sollte man wenigstens dieses riesige Volumen als Wärmespeicher nutzen. Was sagen Fachleute dazu? Wir haben etliche befragt und bei einer Veranstaltung am 2.3. 2019 (downloads: Vortrag Arcon-Sunmark, Vortrag Prof. Mengedoht, Vortrag Martin Feldner) zu Wort kommen lassen (Link auf SZ-Artikel). Der Favorit unter großen sogenannten saisonalen Erdbeckenspeichern sind Wasserspeicher, also Grube mit Folie auslegen, Wasser rein, mit schwimmender Isolierschicht abdecken, Blechdach, Begrünung z.B. als Bienenweide.
Eine in dieser Veranstaltung geborene Machbarkeitsuntersuchung, beauftragt durch die Gemeinde Gräfelfing, durchgeführt vom Institut für Gebäudeenergetik, Thermotechnik und Energiespeicherung (IGTE) der Universität Stuttgart (hier) ergab, dass sich ein solcher Wärmespeicher sinnvoll und rentabel in ein Fernwärmeversorgungskonzept mit Solarthermie und Geothermie einbiden lässt. Siehe auch unter www.sonnenwaerme-im-wuermtal.de.
Wie Sie an der Verfüllung der Kiesgrube erkennen können, wurde daraus nichts. Die Gemeinde Planegg wollte nicht mit der Nachbargemeinde Gräfelfing zusammenarbeiten. Ob und wie Planegg das Geothermiepotenzial unter unseren Füßen nutzen will, ist nicht öffentlich bekannt. Immer noch nicht. Derweil beginnen demnächst in Gräfelfing neben dem Reiterhof an der Würmtalstraße die Bohrungen. Planegg hat sich die Claimrechte von Gräfelfing nehmen lassen, eine Vereinbarung zwischen den Vorgängerbürgermeistern (Hofmann/Wüst) nicht aktualisiert. Planegg hat damit keine verbrieften Rechte an einer Geothermienutzung des Claims, der "Planegg" heißt, aber Gräfeling gehört.
Mittlerweile ist bekannt, dass künftig neben Geothermie eine weitere gleich große Wärmequelle zur Verfügung stehen wird. Die Martinsrieder Max-Planck-Institute werden ein überregionales Großrechenzentrum errichten, das viele andere MPIs in Deutschland mit Rechenleistung versorgen wird. Dabei entsteht Abwärme, mit der der gesamte Wärmebedarf Planeggs übers Jahr gerechnet gedeckt werden könnte. Allerdings: im Sommer fällt viel mehr an, als in Planegg verbraucht werden könnte und das Temperaturniveau ist mit 50-60 °C nicht ohne weitere Maßnahmen verwertbar. Aber dafür gäbe es Lösungen. Eine wesentliche Komponente dabei wäre ein großer Erdbeckenwärmespeicher. Eine Großwärmepumpe könnte die über die Sommermonate gespeicherte überschüssige Wärme im Winter in ein Fernwärmenetz einspeisen. Mit oder ohne zusätzliche Geothermie möglich. Wenn die Rechner-Abwärme nicht genutzt werden sollte, wird sich am Standort Martinsried eine Säule heißer Luft bilden, die eine wichtige Frischluftzufuhr nach München unterbricht.
2.12.2025, Herbert Stepp
